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SCNAT - The House of Sciences


08.05.2012  |  Medienmitteilung
« Top Science at the Top of Europe » - 75 Jahre Sphinx Observatorium
Klima, Schadstoffe, Ozon – die Forschungsstation Jungfraujoch ist ein einzigartiger Fiebermesser für den Zustand Europas und der Welt. Deren Herzstück, das Sphinx Observatorium, wird dieses Jahr 75. Die hoch über Europa betriebene Forschung wird in einer soeben eröffneten Ausstellung der Internationalen Stiftung Hochalpine Forschungsstationen Jungfraujoch und Gornergrat gezeigt.

Seit mehr als 80 Jahren nutzen Wissenschaftler die Vorzüge der höchstgelegenen, durchgehend betriebenen Forschungsstation Europas. Diesen Standort und seine aussergewöhnlichen Möglichkeiten verdanken sie dem Meteorologen und Grönlandforscher Alfred de Quervain. Er setzte sich nach dem Bau der Jungfraubahn im Jahre 1912 für die Errichtung einer Forschungsstation auf dem Jungfraujoch ein. 1930 war es dann soweit: die internationale Fördergemeinschaft „Hochalpine Forschungsstation Jungfraujoch“ wurde gegründet. Bereits ein Jahr später konnte die eigentliche Forschungsstation eingeweiht werden. Als Pionierleistung im Jahre 1931, hat sich diese von einem astronomischen Observatorium und einer Station für die Erforschung von Höhenkrankheiten zu einem der bekanntesten europäischen Umweltforschungszentren entwickelt und spielt auch global eine Schlüsselrolle in der Höhenforschung.

Das Sphinx-Observatorium – Wahrzeichen des Jungfraujochs – feiert dieses Jahr das 75-jährige Jubiläum. Der Bau wurde im Herbst 1937 nach nur einjähriger Bauzeit eingeweiht und ist heute der Ort, wo internationale Spitzenforschung im Umwelt- und Klimabereich, als kooridinierte Kampagnen oder mittels automatischer Messungen, durchgeführt wird.

So untersucht bspw. das Paul Scherrer Institut die Rolle der Aerosole. Aerosole sind beispielsweise Russpartikel oder Pollen, die rund 1000-mal kleiner als der Durchmesser eines menschlichen Haares und trotzdem von enormer Bedeutung für unsere Gesundheit und unser Klima sind. Denn Aerosole sind ein Indikator für die vom Menschen verursachte Luftverschmutzung. Die Untersuchungen der Aerosole auf dem Jungfraujoch auf 3500 Meter über Meer ermöglicht ihre Beobachtung fern der Entstehungsquelle, dafür am Ort der Wirkung. Forscher der Empa messen mit ihren Experimenten auf dem Jungfraujoch die Luftqualität und bestimmen die Herkunft von Luftfremdstoffen. Zudem wird der Einfluss von Luftfremdstoffen auf unser Klima untersucht. Die Messungen der Wetterstation von Meteo Schweiz auf dem Jungfraujoch, das heisst auf der Wetterscheide zwischen Alpennord- und Alpensüdseite, sind zentral für die Modelle zur Bestimmung der Wettervoraussagen für die Schweiz. Auf dem Jungfraujoch – der höchstgelegenen Wetterstation Europas – reichen die Messreihen bis 1922 zurück und ermöglichen Klimatrends auf dieser Höhe zu untersuchen. Die belgische Gruppe der Universität Lüttich macht Messungen von Spurengasen in der Atmosphäre über dem Jungfraujoch seit den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts. Diese langen Zeitreihen ermöglichen die Entwicklung der Konzentrationen von verschiedenen Luftfremdstoffen in der Atmosphäre zu untersuchen, auch während Zeiträumen, in denen man sich der Problematik von verschiedenen Luftfremdstoffen noch nicht bewusst war.

Heute stehen die Bereiche Umweltwissenschaften und Klimaforschung im Zentrum der wissenschaftlichen Tätigkeiten. Daneben stellen Untersuchungen an neuen Materialien oder Geräten (z.B. auf ihre Dauerhaftigkeit und Zuverlässigkeit) einen Schwerpunkt dar. Beispielsweise führt eine Gruppe der Berner Fachhochschule BFH-TI Burgdorf Langzeitmessungen mit Photovoltaikanlagen unter extremen Bedingungen durch. Dank seiner besonderen Lage, der guten Erreichbarkeit und der auf die Bedürfnisse der Forscher perfekt abgestimmten Bedingungen steht die Forschungsstation Jungfraujoch auch in Zukunft für „Top Science at the Top of Europe“.
Die soeben eröffnete Ausstellung informiert über die Geschichte des Forschungsstandortes Jungfraujoch sowie über vier aktuelle Forschungsschwerpunkte. Ermöglicht wurde diese Ausstellung durch finanzielle Beiträge verschiedener Institutionen wie der Akademie der Naturwissenschaften (SCNAT), der Fondation H. Dudley Wright, der Berner Kantonalbank, den Jungfraubahnen, sowie diversen Forschungsinstitutionen.

Auch der Jahreskongress der SCNAT am 25.-26. Oktober 2012 in Interlaken beleuchtet die Forschung an extremen Standorten: in hohen Breiten, in grosser Höhe, in beissender Kälte. Ausgehend von der historischen Querung Grönlands durch den Pionier Alfred de Quervain geht der Kongress auf die Entwicklung und die Bedeutung der Polar- und Höhenforschung ein. De Quervains Arbeiten und Expeditionen waren wegweisend für unser Verständnis von Gletschern und legten damit die Grundlagen zur Nutzung von Eisbohrkernen als Archiv für die Klima- und Umweltforschung. Der Kongress zeigt auf, welche Bedeutung die –aufwändige und teure – Forschung an den Polen in der heutigen Forschungslandschaft hat, und wo die Herausforderungen der Zukunft liegen.

Facts & Figures: Hochalpine Forschungsstation Jungfraujoch (3500 m ü.m.):

  • 1920 erster Vorschlag des Meteorologen Alfred de Quervain eine Forschungsstation auf Jungfraujoch zu realisieren, 1931 eröffnet

  • 1936/37 Eröffnung Sphinx-Observatorium (2012: 75 Jahre Sphinx-Observatorium)

  • das ganze Jahr mit den Jungfraubahnen erreichbar

  • während eines grossen Teil des Jahres in der freien Troposphäre, das heisst im Bereich der untersten Atmosphärenschicht, welche nicht direkt durch Quellen von Luftschadstoffen beeinflusst wird

  • eines der renommiertesten europäischen Umweltforschungszentren

  • Wissenschaftler von über 25 in- und ausländischen Forschergruppen

  • jedes Jahr im Mittel 1000 Arbeitstage für die Forschung

  • mehr als 20 automatische Messapparaturen rund um die Uhr in Betrieb

  • die Forschungsresultate erscheinen jährlich in ungefähr 100 Fachpublikationen

  • Schlüsselstellung in mehr als 25 nationalen und internationalen Forschungs- und Messprogrammen




Hochalpine Forschungsstationen Jungfraujoch und Gornergrat http://www.hfsjg.ch/

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