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Jahresbericht
SCNAT - The House of Sciences


Jahresbericht 2002 für

SAGUF: Schweizerische Akademische Gesellschaft für Umweltforschung und Ökologie


Präsident/Präsidentin: PD Dr. Gertrude Hirsch Hadorn

Von: Claude Théato, saguf@umnw.ethz.ch

Tagungen / Exkursionen / Kurse


Tagungen Die diesjährige SAGUF-Tagung setzte sich aus zwei Workshops zusammen, welche beide im Rahmen des SANW-Jahreskongresses 2002 "Wissenschaft und Zauberberg` durchge-führt wurden, welcher vom 18. zum 20 September in Davos stattfand. Der erste Workshop fand zum Thema "Lernen vom Umgang mit Naturgefahren" statt, und wurde gemeinsam mit der Schweizerischen Gemorphologischen Gesellschaft (SGmG) oranisiert. Das Ziel der Veranstaltung diente der Diskussion, aufgrund der Erfahrungen und der natur- und sozialwissenschaftlichen Erkenntnissen, folgender Fragestellungen: - Wo stehen wir im Umgang mit Naturgefahren? Wie ist die Gesellschaft zur heutigen Praxis gelangt? Sind wir auf dem richtigen Weg? - Was können wir vom Umgang mit Naturgefahren für den Umgang mit Umweltrisiken lernen? - Welche Herausforderungen stellen sich für die Natur- und Sozialwissenschaften in einer Gesellschaft, die einen neuen Umgang mit Naturgefahren und Umweltrisiken ler-nen muss? Zu diesem Zweck wurden am Vormittag in einer Reihe von Vorträgen an Beispielen aus zwei Jahrhunderten der Umgang mit Naturgefahren und -katastrophen erläutert. Weitere Aspekte zum Tagungsthema wurden in einer Postersession präsentiert. Am Nachmittag wurden die Fragestellungen in zwei Workshops diskutiert. Die wichtigsten Ergebnisse wurden anschliessend in einer gemeinsamen Diskussionsrunde ausgetauscht. Im Nachgang zur Tagung werden sowohl die Beiträge als auch die Ergebnisse der Diskussionen publiziert werden. Der zweite Workshop fand zum Thema "Alpen - bedrohter Lebensraum" statt, und wur-de gemeinsam von vier Mitgliedsgesellschaften der SANW organisiert: der Bodenkundli-chen Gesellschaft der Schweiz (BGS), der SAGUF, des Schweizerischen Forstvereins (SFV) und der Schweizerischen Gesellschaft für Pflanzenbauwissenschaften (SGPW). Im spezifischen Fokus der Veranstaltung stand die alpine Landschaft als integraler Natur-raum, welcher Boden und Vegetation umfasst und durch seine Rolle als Lebensraum an-thropogen geprägt ist. Ziel des Workshops war es, in dieser Landschaft ablaufende Ver-änderungen aufzuzeigen und zu analysieren, um ihre Bedeutung für den zukünftigen Le-bensraum "Alpen" einzuordnen. Zu diesem Zweck fanden am Vormittag diverse Inputreferate statt, welche am frühen Nachmittag durch eine Auslegung verschiedener Thesen zum Landschaftsschutz und zur Landschaftsveränderung im Alpenraum abgerundet wurden. Diese Thesen wurden an-schliessend in zwei Arbeisgruppen diskutiert. Als Abschluss der Veranstaltung wurden die Ergebnisse der Diskussionsrunden im Plenum vorgestellt. Die Resultate wurden in unsererm Mitteilungsblatt publiziert (www.saguf.unibe.ch). Desweiteren hat die SAGUF im vergangenen Jahr einen Expertenworkshop zum Thema "Erwartungen an eine nationale Evaluation von Lokale Agenda-21-Prozesses" (11. März 2002, ETH Zürich / Schlussbericht auf unserer Homepage www.saguf.unibe.ch) sowie einen sagufnet-Workshop zum Thema "Research for an Effective Climate Policy" (5. April 2002, Bern, zusammen mit ProClim und dem schweizerischen IHDP Komitee, siehe auch unter Forschungsinfrastruktur, Informationen auf der sagufnet-Homepage www.transdisciplinarity.ch/sagufnet) durchgeführt. Vorträge der Präsidentin - Über den Wandel wissenschaftlicher Erkenntnis. Vortrag im Rahmen des Kurses "Wis-senschaft und Weisheit" der Fachstelle für Weiterbildung der Universität Zürich, 11. 06. 2002 - Deskriptiv-analytische und praktisch-normative Funktionen von Naturbegriffen in der Umweltforschung. Vortrag im Rahmen der Ringvorlesung Naturverständnis, Technik und humane Lebenswelt, Universität zu Köln, 24. 06.2002 - How to Make Transdisciplinary Projects a Success? Vortrag im Rahmen des Symposi-ums "ELSI-Research" der Schweizerischen Gesellschaft für Medizinische Genetik und der Schweizerischen Akademie der Medizinschen Wissenschaften, Bern, 1.11.2002 - Die Verantwortung der Wissenschaft in der Risikogesellschaft. Vortrag im Forum 21/Volkshochschule Schaffhausen, 15.11.2002 - Liegt Nachhaltigkeit in der Natur des Menschen? Vortrag im Rahmen von "Nachhaltige Entwicklung konkret", Schweizerische Tagung zur Nachhaltigen Entwicklung auf Lokaler Ebene, ARE, BAG, DEZA & Equiterre, Bern, 22.11.2002 - Options & Restrictions: A Heuristic Tool in Transdisciplinary Research for an Effective Implementation of Sustainable Practices. Paper presented together with Simone Maier Begré at the 2002 Berlin Conference on the Human Dimensions of Global Environmental Change "Knowledge for the Sustainability Transition: The Challenge for Social Science", Berlin, 6-7.12.2002 - How to Design Interfaces between Science and Society? Lessons from Platforms for Knowledge Communication in Switzerland. Paper presented together with Ingrid Kissling-Näf and Christian Pohl at the 2002 Berlin Conference on the Human Dimensions of Global Environmental Change "Knowledge for the Sustainability Transition: The Chal-lenge for Social Science", Berlin, 6-7.12.2002

Publikationen


- Ein neuer Umgang mit Naturgefahren erfordert eine neue Zusammenarbeit zwischen - Natur- und Sozialwissenschaften. Christian Pfister, Christoph Hegg, Michel Roux. GAIA 11(2):159. - Ankündigung der SAGUF-Workshops "Lernen vom Umgang mit Naturgefahren" und "Alpen - bedrohter Lebensraum" vom Freitag, den 20. September 2002 in Davos. GAIA 11(2):159-161. - Vom SAGUFNET zur Plattform TRANSDISCIPLINARY-NET. Gertrude Hirsch Ha-dorn. GAIA 12(3):227-231.

Internationale Aktivitäten


siehe "Forschungsinfrastruktur"

Forschungsinfrastruktur und -projekte / langfristige Unternehmungen


Letztes Jahr konnten wir bereits vom 2. sagufnet-Workshop im Oktober 2001 zum The-ma "Ziele, Formen und Erfahrungen mit Partizipation in transdisziplinären Projekten" berichten. Am 5. April 2002 trafen wir uns zum dritten Workshop "Research for an Ef-fective Climate Policy`, der zusammen mit PROCLIM und dem Schweizerischen Komi-tee des International Human Dimensions Programme IHDP organisiert wurde, und der im Anschluss an den Swiss Global Change Day in Bern stattfand. Unser Anliegen dabei war, gemeinsam mit den relevanten Partnern die problembezogene Zusammenarbeit von Natur- und Sozialwissenschaften zu diskutieren und wissenschaftspolitisch wichtige Punkte zu identifizieren. Programm und Beiträge sind auf http://www.transdisciplinarity.ch/sagufnet publiziert. Am Vormittag wurden vier sozialwissenschaftliche Forschungsansätze vorgestellt, welche an unterschiedlichen aber komplementären Punkten der Probleme in der Klimapolitik ansetzen. Wird die Schwierigkeit darin gesehen, dass die regulativen Systeme nicht die richtigen Rahmenbedingungen und Anreize setzen, braucht es ein besseres Verständnis der Beziehungen zwischen Institutionen und Ressourcen wie sie der Institutional Approach untersucht. Führt die Problemanalyse jedoch dazu, dass die Diskussion um Werte und eine öffnung ökonomischer Auffassungen grundlegend für Veränderungen in Richtung Nachhaltigkeit sind, dann sind die Ecological Economics interessant. Wird vor allem ein Wissensbedarf hinsichtlich der künftigen Entwicklungen in Abhängigkeit von heutigen Entscheidungen diagnostiziert, liegt der Ansatz des Integrated Assessment nahe. Last but not least kann auch das Wissen danach erforderlich sein, wie Verhaltensänderungen überhaupt initiiert werden können und sich verbreiten, was mit dem Ansatz des Community-based Social Marketing untersucht wird. Diese Problemanalyse, Zuordnung von Forschungsfragen und dafür geeigneten exemplarischen Forschungsansätze stiessen generell auf Interesse, auch wenn aufgrund unterschiedlicher Voraussetzungen der Teil-nehmerinnen und Teilnehmer nicht jeder Vortrag (gleich) gut verständlich war. Am Nachmittag wurde in drei geschlossenen ExpertInnen-Workshops versucht, Politikpro-bleme, Forschungsfragen und Forschungsbedarf für eine entsprechende transdisziplinäre Forschung in den klimarelevanten Bereichen Wald, Energie und Verkehr zu formulieren. Obwohl die Workshops durch ein Inputreferat zur Forschungslage und den Politikpro-blemen eingeleitet wurde, zeigte die Erfahrung in allen drei Gruppen, dass eine vorgängig ausgearbeitete Problemanalyse und mehr Zeit nötig gewesen wären, um den hochge-steckten Zielen nahe kommen zu können. Die angekündigte Bibliographie Transdisziplinarität ist seit Februar 2002 in deutscher und englischer Sprache auf http://www.transdisciplinarity.ch zugänglich. Die Startversion enthält ca. 700 Dokumente und 150 Zeitschriften, wo immer möglich mit den entspre-chenden Internet-Links. Zur Zeit wird ein Expertenkreis aufgebaut, welcher die Informa-tionen zu wichtigen Neuerscheinungen für die Bibliographie liefern. Jeder Input seitens der Benutzerinnen und Benutzer ist uns ebenfalls willkommen. Anregungen können per e-mail (bibliography@transdisciplinarity.ch) direkt der Geschäftstelle mitgeteilt werden. Unser grosser Dank für die Aufbauarbeit geht an Christoph Küffer, Doktorand am De-partement Umweltnaturwissenschaften der ETH, an Christoph Ritz, PROCLIM für den technischen support, sowie an Susan Ulbrich, Doktorandin am Departement Umweltna-turwissenschaften, die die Hompage http://www.transdisciplinarity.ch betreut, welche sagufnet vom SPP Umwelt übernehmen konnte. Sie hat inzwischen auch die technischen Voraussetzungen für Diskussionen per Email unter Mitgliedern des Netzwerkes einge-richtet. Ohne die finanzielle Unterstützung des SPP Umwelt hätten die letzen beiden Workshops, die Bibliographie und der Ausbau der Homepage nicht realisiert werden können. Zu Jahresbeginn hat Theres Paulsen am Institut Universitaire Kurt Boesch IUKB (http://www.iukb.ch) die Geschäftsstelle des sagufnet interimistisch übernommen. Mit der Entwicklungsperspektive von einem auf Umweltprobleme bezogenen sagufnet zu ei-nem Netzwerk das die vielfältigen transdisziplinären Problembereiche einschliesst, musste nicht nur eine breitere Trägerschaft, sondern auch ein entsprechender Ausbau der Geschäftsstelle ins Auge gefasst werden, weil eine umfangreichere Freistellung der Mit-arbeiter für das Engagement im Netzwerk für die Stiftung Mensch-Gesellschaft-Umwelt an der Universität Basel MGU nicht möglich war. Wir verdanken dem Engagement von Ruth Förster, die als Projektleiterin an der Geschäftsstelle mit der Unterstützung von Rainer Kamber und anderen von MGU das sagufnet in den zwei ersten Jahren aufgebaut und bekannt gemacht hat, viel. Nach längeren Vorgesprächen mit den Akademien für die Trägerschaft hat die SANW beschlossen, sagufnet von 2003 an im Rahmen eines dreijährigen Projektes zu übenehmen und in Zusammenarbeit mit der SAGW, der SAMW und der SATW zur Plattform transdisciplinary-net auszubauen. Die Akademien sind als Träger eines solchen Netzwer-kes besonders geeignet, um alle Bereiche transdisziplinärer Forschung auf schweizerischer Ebene abzudecken. Sie sind bei der Forschung lokalisiert, gewähren Langfristigkeit und haben Erfahrung mit verwandten Initiativen. Die Akademien sind zudem mit ihren Plattfomen (Foren, Kommissionen, Komitees, Institutionen u.a.) bereits wichtige Akteure in Sachen Transdisziplinarität. Das Netzwerk wird von einer Geschäftsstelle betreut, und verfügt über einen wissen-schaftlichen Beirat mit einem Ausschuss als Führungsorgan. Es soll die im sagufnet erar-beiteten Grundlagen ausbauen und mit einem entsprechenden Informationssystem, Ver-anstaltungen und thematischen Arbeitsgruppen zur Anlaufstelle für methodische und konzeptionelle Aspekte transdisziplinärer Forschung in den verschiedenen Problemberei-chen werden. Es soll die Entstehung transdisziplinärer Forschungsprojekte initiieren, diese unterstützen und die internationalen Verbindungen zur transdisziplinären community pflegen. Die Finanzierung der Basisaufgaben der Geschäftsstelle erfolgt durch die Aka-demien, für die weiteren Aufgaben werden projektbezogenen Mittel eingeworben. Zur Zeit befasst sich eine Planungsgruppe mit Vertretern der Akademien und ihrer Foren, der SAGUF und des Schweizerischen Nationalfonds mit den konkreten Anliegen der ver-schiedenen Partner, mit der Organisation des Netzwerkes und der personellen Besetzung der Gremien.

öffentlichkeitsarbeit


Die Homepage der SAGUF wird laufend ausgebaut. Sie ist zu finden unter : http://www.saguf.unibe.ch. Neben Informationen über die Zusammensetzung des Vor-standes, unsere Projekte, unsere Zielen und Statuten findet sich dort auch unsere Mittei-lungsblätter, die im Jahreszyklus über die SAGUF Tätigkeiten Auskunft geben, sowie Publikationen, welche die SAGUF herausgibt.

Nachwuchsförderung


Die SAGUF hat sich mit der folgenden Ausschreibung am Wettbewerb zur Förderung von JungforscherInnen im Rahmen des Jahreskongresses 2003 der SANW in Fribourg beteiligt: "Der wissenschaftliche Nachwuchs soll früher ins Rampenlicht treten - das fordert und fördert die Schweizerische Akademie der Naturwissenschaften (SANW). Für den Jahres-kongress 2003 mit dem fächerübergreifenden Thema "Stürme" als Dreh- und Angelpunkt des Programms hat die SANW zu einem Wettbewerb forschender Nachwuchskräfte auf-gerufen (www.unifr.ch/sanw-JK03). Junge Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen be-kommen dadurch die Chance, frische Ideen und Forschungsergebnisse auf dem Prüfstand interdisziplinärer Reflexion zu erproben und auch einer breiteren öffentlichkeit näherzubringen. Da das Wettbewerbsthema "Stürme in der Natur" vielseitige Auffassun-gen zulässt, hat die SANW die erste Ausscheidungsrunde ihren Mitgliedgesellschaften über-tragen. Die SAGUF unterstützt dieses Vorhaben nachdrücklich und lädt ihrerseits Forschende in Status Doktorand/Postdoktorand aus allen wissenschaftlichen Disziplinen ein, sich an dem von ihr - parallel zu den von anderen SANW-Mitgliedgesellschaften - organisierten Vorwettbewerb zu beteiligen. Als Mitglied zweier Akademien, der für Naturwissenschaften wie auch der für Geistes- und Sozialwissenschaften, will die SAGUF besonders solche Beiträge fördern, die es auf originelle Weise verstehen, sowohl natur- als auch kul-turwissenschaftliche Aspekte von "Stürmen in der Natur" zu verbinden. Ausdrücklich be-grüsst werden daher hervorragende Beispiele inter- und transdisziplinärer Forschung (auch praxisbegleitender Umweltforschung). Die Perspektive darf wohlüberlegte Science Fiction streifen."